MEIN LIEBSTER STOFF & Q&A von und mit Gaya Jiji

Am 12.01.2019 haben wir im Lichtblick Kino den Spielfilm „MEIN LIEBSTER STOFF“ von Gaya Jiji gesehen und die Regisseuruin getroffen!

Damaskus im Frühjahr 2011: während sich in Syrien der Arabische Frühling anbahnt, träumt die 25-jährige Nahla von einem anderen Leben, einem Leben individueller und freier Selbstbestimmung. Die Hochzeit mit Samir, einem in die USA emigrierten Syrer, verspricht zunächst einen Ausweg aus den gesellschaftlichen Fesseln. Doch Samir stört sich an Nahlas Eigensinnigkeit und nimmt lieber ihre jüngere und gehorsamere Schwester Myriam zur Frau. Für Nahla scheint ein Traum zu zerplatzen, doch ihre Freundschaft zur ihrer Nachbarin, der geheimnisvollen Madame Jiji, öffnet ihr eine neue Sicht auf ihr Leben…

Regisseurin Gaya Jiji erzählt in ihrem sinnlichen Film von Berührungen, von Körpern und von dem Stoff, der diese umhüllt. Ein Film über die universelle Suche nach der eigenen Identität und die Frage weiblichen Begehrens.

Hier ein paar Eindrücke:

Jameela:

Der Film war besonders schön. Ich wollte ihn am liebsten immer weiter schauen – ich hatte sogar Sorge zu blinzeln, damit ich nichts verpasse, weil jede Szene einen Moment erzählte, ein Moment, den ich mit erleben konnte.

Nahla, die Hauptfigur, war für mich sehr nah am Herzen. Ich konnte mich sehr gut an ihre Stelle versetzen. Es war so, als ob sie etwas verloren hätte, sich selbst vielleicht. Sie suchte nach ihrer Identität und wollte ihre Träume leben. Ihre Träume waren immer eine ganz schöne Welt im Vergleich zu der Realität. Man konnte sehen, wie trotz der harten, grausamen und unerträglichen Situation (Kriegsanfang),  das Leben weiter geht.
Ich fand es gut, dass im Film die maskuline Figur keine eine große Rolle spielt.
Der Film hat mich beeindruckt und berührt. Neben der Realität war die Fantasie. Sie bringt die Leute zum Nachdenken.
Mir fehlen die Worte, es ist unbeschreiblich und unbegreiflich schön, diesen Film anzuschauen.

Jehan:
Ich fand den Film super gut,weil ich fühlen konnte, wie Nahla sich als junge Frau, die auf der Suche nach sich selbst ist, gefühlt hat.
In der Szene, in der der Mann, Samir, den Nahla heiraten wollte, Nahla treffen kam, hat sie ihm komische Fragen gestellt, und dadurch war er nicht mehr so nervös. Gleichzeitig ist sie selbstbewußt gewesen und hat ihm ihre Meinung über sein Leben gesagt, dass sein Leben langweilig sei. Ich fand gut, dass nicht nur er entscheidet, was er über sie denkt, sondern sie auch.
Mir hat es gefallen, wie sie trotz der ganzen Dinge, die in ihrer Heimat passierten, nicht ihre Träume losgelassen hat. Sie hat immer noch von dem hübschen Fremden geträumt, mit dem sie immer sein wollte, denn bei ihm konnte sie sein, wie sie eingntlich ist.
Ich konnte mich in manchen Szenen  in ihre Lage versetzen, weil ich irgendwie das Gefühl kannte, und das fand ich sehr berührend. Die  Geschichte hat hat bei mir sehr viele Erinnerungen, die mir sehr wichtig sind und die ich nie vergessen will, geweckt.
Ich fand es ärgerlich, dass Samir sich aussuchen konnte, wen er besser fand, Nahla oder ihre  Schwerster, als ob er sich ein Kleidungsstück kauft.
Das Ende fand ich sehr schön, dass sie nicht unbedingt Samir heiraten wollte, sondern auch ohne etwas erleben kann. Und wie sie ihrer Schwester vergeben hat, wurde sehr schön dargestellt: Sie hat die übrigen Stoffenstücke von ihrem Hochzeitskleid, das ihre Mutter für ihre Schwester verkleinert hat, da es ihr zu groß war, einfach vom Dach losgelassen.

 Yeeun:
Ich muss nochmal über mich und die Frauen im Film nachdenken. Ich weiß nicht, welches Gefühl ich über den Film habe, also muss ich zurückgehen, um nicht von mir selbst enttäuscht zu sein.
Ich habe ja verstanden, dass Nahla, die Hauptfigur, ihre Identität finden möchte. Im Ganzen, was die Filmemacherin uns erzählen möchte, fand ich gut, aber ich hatte bei manchen Momenten im Film ein unangenehmes Gefühl. Zum Beispiel, habe ich es als Betrug an ihrer Schwester empfunden, dass Nahla mit Samir Geschlechtsverkehr hat. Die Schwester muss weiter mit Samir leben, aber wenn Samirs Herz bei Nahla sein sollte, ist das auch für die Beziehung der Schwestern schwierig. Nahla ist eine sehr starke Frau, sie ist zu stark für die Männer.
Ich mag klassische Literatur lesen und Filme verschiedener Genres gucken. Weil aber viel öfter Männer die Autoren sind oder Regie führen, gibt es in der Kunst viel Frauenunterdrückung. Ich denke, dass deshalb die Kunst oft hinter der gesellschaftlichen Realität liegt und altmodischer ist. Aus meiner Sicht sind die künstlerischen Medien einen Schritt konservativer als die Gesellschaft, jedenfalls mehr als meine Wirklichkeit. Ich fand es gut, dass in dem Film die Frauen oft nackt oder beim Umziehen der Kleidung gezeigt wurden. Das ist nicht das Bild der Frau, was man von Syrien kennt. Die Regisseurin hat auch erzählt, dass das für Schauspielerinnen in Syrien nicht einfach ist. Also ich fand es sehr mutig von den Schauspielerinnen.
Ich weiß nicht, ob die Frauen im Film ihre Freiheit gefunden haben. Aus diesem Grund denke ich, dass ich die den Film zum Teil nicht verstanden habe. Ich muss noch weiter darüber nachdenken.

 Einige aus unserem Team mit der Regisseurin Gaya Jiji:
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