MEET kino Filmprogramm im Hackesche Höfe Kino: SCHILDKRÖTENWUT von Pary El-Qalqili

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Am 28. September 2018 lief bei dem von uns kuratierten monatlichen Filmprogramm „MEET kino“ der Dokumentarfilm SCHILDKRÖTENWUT von Pary El-Qalqili. Die Regisseurin war unser Gast und wir haben uns gefreut mit ihr über den Film zu diskutieren!

Joharah (Moderation):

Der Dokumentarfilm „Schildkrötenwut“ war sehr schön und auch ein bisschen traurig.  Nach dem Film habe ich ein Gespräch mit die Regisseurin Pary El-Qalqili moderiert, sie war unser Gast an diesem Abend. Ich fand sie nett und habe mit ihr frei sprechen können ohne nervös zu sein. Das Gespräch war für mich richtig toll, weil ich mich während des Gesprächs sehr wohl fühlte. Das ganze Q&A lief gut, und ich habe alle meine Fragen an Pary stellen können, und sie hat ausführlich und detailliert geantwortet. An diesem Abend war ich sehr glücklich, weil ich ein so schönes Gespräch mit Pary hatte. Der Abend war sehr schön und ich  habe auch viel Spaß mit den anderen gehabt.

Jehan (Filmauswahl):
Ich habe mich für den Film entschieden, weil ich den Film ganz besonders fand, denn er erzählt die Geschichte zwischen Tochter und Vater. Ich fand auch gut, dass die Tochter (die Regisseurin) erfahren wollte, was ihr Vater alles erlebt hat und dass alles so dargestellt wurde wie es ist, z.B. die Streitszenen. Der Film war auch nicht langweilig, es gab zwischendurch lustige Szenen (z.B. als sich der Vater und der Bruder gegenseitig zum Süßigkeit essen einladen). Ich fand die Szene besonders rührend, in der der Vater Angst vor dem Meer hatte, aber die Tochter sagt, dass sie mit ihm ist und er keine Angst haben soll. Den Film allgemein fand ich sehr berührend und bedeutungsvoll.
Jameela und Joudi:
Der Film war gut und  speziell. Wir fanden es mutig, dass  die Regisseurin und ihr Vater im Film sich vor der Kamera gezeigt haben, besonders auch, dass er seine politische Meinung frei geäußert hat. Was wir sympathisch fanden ist, dass die Beziehung zwischen dem Vater und der Tochter freundschaftlich wirkt. Man merkt das, als sie ihm die ganze Zeit zugehört hat, als er über seine Erlebnisse erzählt hat. Auch als sie am Strand waren, und der Vater Angst vor dem Meer hatte, hat die Tochter ihn ermutigt und versucht ihn zu beschützen. Man konnte die Gefühle und die Gedanken des Vaters richtig mitbekommen, indem sein Gedankenkonflikt zwischen seiner Realität in Deutschland und seiner Sehnsucht nach Palästina dargestellt wurden. Sein innerer Kampf begrenzt ihn und er kann sich von diesen Gedanken nicht befreien. Das finden wir traurig und auch hart, gleichzeitig können wir das gut nachvollziehen. Wir wünschen ihm, dass er inneren Frieden findet.

Über den Film:

SCHILDKRÖTENWUT – Ein Dokumentarfilm von Pary El-Qalqili
(Deutschland 2012, 70 min, digital, Arabisch/Deutsch mit UT)
Als ich zwölf war, ging mein Vater nach Palästina zurück. Ohne uns. Wir blieben in Berlin. Sein Traum, sich ein Haus zu bauen und für die Freiheit Palästinas zu kämpfen, scheiterte: Er wurde von den Israelis ausgewiesen. Da stand er wieder vor unserer Tür. Müde Augen. Müde Knochen. Meine Mutter schaute ihn an, sagte nichts und ließ ihn rein.
Seitdem mein Vater aus Palästina zurück ist, sitzt er unten im Keller. Wie eine Schildkröte zurückgezogen in seinen Panzer. Meine Mutter wohnt oben. Sie streiten nicht mehr, sie gehen sich aus dem Weg. In unserem Haus herrscht Stille. Durchbrochen nur von den knarzenden Schritte meiner Mutter auf der Treppe. Dem Surren des Fernsehers im Keller. Und meinen Fragen an meinen Vater.
Schildkrötenwut erzählt die Geschichte eines Mannes mit vielen Rätseln, dessen Leben geprägt ist von Flucht und Vertreibung, dem Leben im Exil und der gescheiterten Rückkehr nach Palästina. Eine Biographie, die vom israelisch-palästinensischen Konflikt zerrissen ist. Und die Suche einer Tochter nach Antworten – Antworten, die er oft nicht geben kann.
Eine Reise von Vater und Tochter durch Ägypten, Palästina und Jordanien. Streit am Flughafen. Singen mit den Taxifahrern. Einsame Nächte in Hotels. Verhandlungen an verlassenen Tankstellen. Bier trinken in der Naqab-Wüste. Eine Geschichte mit vielen Zwischentönen, die ein Denken in Opfer und Täter, Gut und Böse, Schwarz und Weiß unmöglich macht.

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